Story

Zukunft aus Tradition

Spezialpapiere und erneuerbare Energie sind die Standbeine der Koehler-Gruppe, die mittlerweile in der achten Generation geführt wird – mit anhaltendem Erfolg. Das Familienunternehmen hat mit Weitblick in den Aufbau eines neuen Standorts in Willstätt investiert. Wie werden Entscheidungen in Familienunternehmen getroffen? Welche Rolle spielt die langfristige Perspektive?
Wie wichtig ist das Thema Ausbildung für das Traditionsunternehmen? Ein Interview mit den Vorständen Kai Furler, Dr. Stefan Karrer und Frank Lendowski.

In Familienunternehmen sind in der Regel Mitglieder der Inhaberfamilie in der Verantwortung. Wie äußert sich das bei Entscheidungen?

Kai Furler — Als Familienunternehmen denken wir in Generationen – und handeln nachhaltig. Gleichzeitig sind wir – anders als beispielsweise Konzerne – aufgrund unserer internen Organisation in der Lage, in kürzester Zeit zu entscheiden, wie zahlreiche Beispiele in der Geschichte der Koehler-Gruppe zeigen. Über Jahrhunderte sind wir an unserem Firmenstammsitz in Oberkirch gewachsen. In den 80er Jahren ist das Gelände dann mit seinen damals schon mehr als 1.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern an seine Grenzen gestoßen. 1986 haben wir entschieden, in ein neues Werk zu investieren. In Kehl entstand für ein Investitionsvolumen von damals 210 Millionen DM ein hochmodernes Werk auf einer Fläche von 80.000 Quadratmetern. Selbstdurchschreibepapier produziert in Kehl war jahrzehntelang sehr erfolgreich für Koehler Paper.

Im Jahr 2018 habe ich die Entscheidung für die größte Einzelinvestition in der Geschichte der Koehler-Gruppe getroffen  – den Bau der Produktionslinie 8 für 300 Millionen Euro. Das war unser Einstieg in den Wachstumsmarkt der flexiblen Verpackungspapiere. An einer ähnlich weitreichenden Weichenstellung habe ich als Vertreter der achten Generation jetzt wieder einmal gestanden.

Der Koehler Group Campus ist ein modernes und attraktives Ausbildungszentrum, das dem hohen Qualitätsanspruch an die Ausbildung bei Koehler gerecht wird.

Warum war es notwendig, in einen neuen Standort zu investieren?

Kai Furler — Im Jahr 1989 wurde unser Standort in Kehl eingeweiht, weil die Platzverhältnisse in Oberkirch damals an ihre Grenzen stießen. Mittlerweile sind mehr als 2.500 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der Koehler-Gruppe beschäftigt. Aufgrund unseres Wachstums in den vergangenen Jahren standen wir wieder vor einer ähnlichen Situation. Die Produktion unserer sehr erfolgreichen Getränkeuntersetzer am KATZ-Standort in Weisenbach war schon lange platztechnisch am Limit, weiteres Wachstum war nicht mehr möglich.

Mit dem Wachstum unserer Belegschaft ist gleichzeitig auch die Anzahl unserer Auszubildenden gestiegen. Wir haben mit dem Ausbildungsstart 2024 das erste Mal in der Geschichte unseres Familienunternehmens die Marke von 100 Auszubildenden gebrochen, was ich großartig finde. Denn der Nachwuchs, den wir selbst ausbilden, ist unser Kapital von morgen. Allerdings sind wir auch bei den Räumen für unsere hochwertige Ausbildung an die Grenzen gestoßen. Deswegen haben wir uns umgeschaut und sind letztlich in Willstätt fündig geworden.

>100

Auszubildende haben 2024 eine Ausbildung bei Koehler begonnen – ein Rekord, auf den das Familienunternehmen stolz ist.

Der Nachwuchs, den wir selbst ausbilden, ist unser Kapital von morgen.

Kai Furler

Vorstandsvorsitzender

Herr Dr. Karrer, Willstätt ist für die Koehler-Gruppe kein unbekannter Ort, richtig?

Dr. Stefan Karrer — Das stimmt. Das Gelände in Willstätt liegt strategisch sehr gut, etwa in der Mitte der Achse zwischen Oberkirch und Kehl. In unmittelbarer Nähe – im Industriegebiet von Willstätt – befindet sich bereits ein Standort des Unternehmens Beaver Paper, das seit 2017 zur Koehler-Gruppe gehört. Die Grundstücksfläche von 23.000 Quadratmeter bietet neben der Entlastung der Standorte Oberkirch und Kehl außerdem Platz für perspektivisches Wachstum.

In den vergangenen zwei Jahren haben wir einen Betrag von mehr als 70 Millionen Euro in den Umbau der Bestandsgebäude und in deren Anpassung an unsere Bedürfnisse investiert. Am neuen Standort der Koehler-Gruppe, den wir im Juni 2025 offiziell eingeweiht haben, sind etwa 170 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter beschäftigt. In einem ersten Schritt ist bereits Anfang 2024 die Produktion der KATZ Getränkeuntersetzer eingezogen. Nach der finalen Ausbaustufe des Standorts folgte im März sukzessive der Bezug der neuen Büroarbeitsplätze.

Wir haben mehr als 70 Millionen Euro in den Umbau der Bestandsgebäude investiert.

Dr. Stefan Karrer

Vorstand Technik

Für die Produktion von Getränkeuntersetzern entstehen in Willstätt ganz neue Möglichkeiten. Was bedeutet das im Detail?

Dr. Stefan Karrer — Der Bedarf an Getränkeuntersetzern ist nach der Covid-Pandemie wieder stark gestiegen. In den vergangenen Jahren konnten wir regelmäßig Produktionsrekorde feiern – mit teilweise mehr als 10 Millionen Untersetzern pro Tag. Da wir am Stammsitz von KATZ in Weisenbach räumlich an unsere Grenzen gestoßen sind, haben wir uns für eine Teilung der Wertschöpfungskette entschieden. Im für die Papiermacherkunst bekannten Murgtal wird weiterhin das Rohmaterial für Getränkeuntersetzer und viele weitere Produkte produziert – die Holzschliffpappe. Die Pappenmaschine ging dort in den 1960er Jahren in Betrieb und wurde seitdem kontinuierlich erneuert und optimiert. Auf ihr wird ein nachhaltiges Produkt aus regionalen Rohstoffen hergestellt. Die Endverarbeitung der Untersetzer erfolgt seit Anfang 2024 an unserem neuen Standort in Willstätt. Dort haben wir eine hochmoderne Druckerei, Stanzerei sowie Verpackungslinie aufgebaut. Willstätt bietet außerdem ausreichend Potenzial für weiteres Wachstum. Vor allem die neue Druckmaschine liefert herausragende Ergebnisse, wovon unsere Kunden profitieren. Die großzügigen Flächenverhältnisse machen darüber hinaus den logistischen Prozess bedeutend einfacher.

23.000m²

Die Grundstücksfläche in Willstätt bietet viel Platz für perspektivisches Wachstum.

Frank Lendowski, Kai Furler und Dr. Stefan Karrer (v. l. n. r.) am neuen Standort der Koehler-Gruppe in Willstätt.

Herr Lendowski, am neuen Standort sind 170 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter angesiedelt. Wie begegnen Sie dem wachsenden Fachkräftemangel?

Frank Lendowski — Mit einer klugen Strategie und viel Engagement. Wir wurden bereits mehrfach mit dem Siegel „Best Place to Learn“ ausgezeichnet. Das unterstreicht den Qualitätsanspruch, den wir an unsere Ausbildung haben. Gerade weil wir stark auf unsere Auszubildenden setzen und damit unsere kommenden Fachkräfte heranziehen, müssen wir uns kontinuierlich weiterentwickeln. Nachdem unsere bisherige Ausbildungswerkstatt für die betriebstechnischen Ausbildungsberufe am Standort Oberkirch an ihre Kapazitätsgrenzen gestoßen ist, haben wir reagiert. Denn unser Bedarf an Nachwuchskräften steigt weiterhin. Der neue Koehler Group Campus ist nicht nur strategisch geschickt platziert, er setzt einen neuen Standard. Die Ausbildungsfläche hat sich verfünffacht. Wir haben umfangreich in einen neuen Maschinenpark für jährlich 30 Auszubildende in den Bereichen Elektronik, Mechatronik und Industriemechanik investiert, die in Willstätt eine hochwertige Ausbildung genießen können.

Nach dem Wegzug der betriebstechnischen Ausbildung in Oberkirch haben wir die freigewordenen Flächen genutzt, um auch die papiertechnische Ausbildung zu erweitern. Wir investieren 2025 einen Millionenbetrag in die Räume und Ausstattung in Oberkirch. Das ist unser Anspruch und gleichzeitig unser Angebot an unseren Nachwuchs.

Mit dem Koehler Group Campus haben wir einen neuen Standard gesetzt.

Frank Lendowski

Vorstand Finanzen & Verwaltung

Der neue Standort folgt dem New Work-Konzept. Was bedeutet das im Detail?

Frank Lendowski — Um als Arbeitgeber für Fach- und Führungskräfte, aber auch für Nachwuchskräfte, interessant zu sein, muss man die Arbeitswelt neu denken. Spätestens seit der Covid-Pandemie hat sich der Begriff „Home-Office“ etabliert – und dem sind wir mit einem Standort in einem völlig neuen Raumkonzept begegnet. Wir haben auf den Anspruch von Einzelbüros im hierarchischen Denken völlig verzichtet, setzen auf Desk-Sharing und flexible Workplace-Konzepte. Das macht uns nicht nur attraktiv für zukünftige Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, sondern ermöglicht ein kommunikatives, team- und funktionsübergreifendes Arbeiten. In der Konsequenz erhoffen wir uns auch Synergiegewinne. Das neue Bürokonzept am Standort Willstätt sehen wir als Prototyp für andere Standorte.

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